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Warum klassische Autohersteller Angst vor Tesla Motors haben sollten

Tesla Motors - Model S

Gefühlt merken die meisten Hersteller nicht einmal, was da auf sie zukommt. Wenn ich den Artikel schon so anfange, werden die meisten denken hier schreibt ein absoluter Nerd. Total voreingenommen der Typ. Klar. Wisst Ihr was? Ist auch so. Aber die Frage ist ja nicht, ob ich ein Fan bin, sondern wie Tesla Motors es geschafft hat mich zu solch einem zu machen? Interessiert? Weiterlesen.

Model S - Tesla Motors - Tanken

In 3-5 Jahren wird sich das Straßenbild komplett geändert haben

Vorab unternehme ich dennoch den Versuch, dem ganzen Fangetue noch mal etwas Wind aus den Segeln zu nehmen: Ich habe mir vor nicht mal einem halben Jahr einen Neuwagen gekauft. Skoda Spaceback Rapid. Ich bin nach wie vor extrem zufrieden. Jedes Mal wenn ich einsteige, fühle ich mich toll dabei. Jede Fahrt ist eine Wucht. Und dennoch mischt sich in den letzten paar Wochen dieses Fragezeichen-Gefühl dazu: Habe ich das Richtige gemacht? Klar habe ich. Ich kann mir noch keinen Tesla-Model-S leisten. Das ist immerhin ein Premium-Fahrzeug. Das kann dennoch in ca. 3-5 Jahren komplett anders aussehen. Nicht weil dann meine monetären Mittel anders aussehen, sondern weil das Bild auf unseren Straßen und im Automarkt ein vollkommen anderes sein wird. Das kann sich derzeit kein Mensch vorstellen. Warum es dennoch passieren wird, dazu komme ich noch. Und gleichzeitig hat das Gefühl durchaus seine Daseinsberechtigung. Denn ein Elektrofahrzeug eines anderen Herstellers wäre durchaus eine Überlegung wert gewesen. Doch darum soll es in diesem Artikel nicht gehen.

Model S - Tesla Motors - Zukunftsmusik?

Elektrofahrzeuge sehen uncool aus und sind Zukunftsmusik?

Mitnichten. Soweit ich das Überblicken kann, hat Tesla Motors einige Dinge Gold-Richtig gemacht. Auf einem schwierigen Markt wie dem Elektrofahrzeugmarkt hätte man bis vor Kurzem noch gesagt, das es fast unmöglich ist, auch nur auf einem einzigen Gebiet bei den potenziellen Kunden zu punkten. Doch der Reihe nach.

Tesla hat es geschafft mit mehreren aufeinander abgestimmten Ideen-Inseln den Elektro-Fahrzeugmarkt klammheimlich interessant, ja geradezu begehrenswert erscheinen zu lassen und von sich reden zu machen. Aus meiner Sicht sind das die Folgenden …

Model S - Tesla Motors - Design das sich sehen lassen kann

Grund 1: Tesla Model S – Premiumfahrzeug

Tesla Motors hat ein Elektrofahrzeug im Premium Bereich platziert. Hier wurden von anderen Firmen vor dem Marktauftritt von Tesla gravierende Fehler begangen. Jeder Hersteller hat Elektrofahrzeuge belächelt und bestenfalls als Marketing-Gag im unteren Segment, hässlich designed, unbezahlbar platziert. Positiv gesagt: Nicht viel mehr als Prototypen, die es „irgendwie“ auf die Straße schafften. Reichweiten: Unterirdisch. Indiskutabel. An alles andere, wie zum Beispiel die Möglichkeit diese auch außerhalb der eigenen Garage aufzutanken, wurde nicht gedacht. Viel zu sehr war man in seiner eigenen, von Benzin getriebenen Welt gefangen.

Und das Schönste daran? Es ist ein Sportwagen. Mit umgerechnet 421PS auf dem Asphalt haben auch Enthusiasten kein echtes Argument gegen Stromer. Ein langsames schneckentempoartiges Fahrzeug, nur um Energie zu sparen und die Reichweite auch brav annähernd mit Herstellerangaben vergleich zu können? Geschichte.

Grund 2: Reichweite? Reichweite!

Tesla Motors schafft es die Reichweite des Model S konsequent zu kommunizieren und gegenüber herkömmlichen Fahrzeugen, die auf Energieträger wie Benzin und Gas setzen, richtig interessant wirken zu lassen. Je mehr man darüber liest, desto eher kommt einem in den Sinn:

„Moment mal. Soweit komme ich mit meinem Fahrzeug ja auch – die Herstellerangaben stimmen ungefähr nie. Die tollen elektronischen Helfer, die einem nach einem Volltanken weiß machen wollen: „Damit kommst du 850km weit“. Nach 4-5 Tagen normalen Berufspendeln mit gerade mal 50km hin und zurück ist der Tank ja auch fast leer.“

Die Reichweite des Spitzenmodels kann sich richtig sehen lassen. 502km, bzw. bei durchschnittlich 88km/h sind es immerhin noch 480km. Ich finde das kann sich gegenüber früheren Werten von Elektrofahrzeugen die vielleicht so um die 120km weit kamen schon richtig sehen lassen, oder? Immer noch zu wenig? Abwarten …

Model S - Tesla Motors

Grund 3: Tanken macht endlich wieder Spaß

Ich selbst bin zum Zeitpunkt dieses Artikels 36 Jahre jung und kann mich nicht daran erinnern, wann meine Eltern und mein Umfeld nicht über steigende Spritpreise gemeckert haben. Irgendwann vor meiner Geburt war tanken aber mal etwas vollkommen Normales. Kein Mensch hat sich da über Spritpreise Gedanken gemacht. Tesla baut flächendeckend in Europa, China, den USA und noch weiteren Ländern sogenannte Supercharge-Tankstellen. Für Besitzer eines Model-S ab einer gewissen Klasse ist das tanken dort GRATIS. Binnen einer halben Stunde ist das Fahrzeug zu 80% recharged. Das ist zwar immer noch länger als herkömmliches Tanken, aber dafür hat man es zum einen kostenlos, zum Anderen macht man eine für die Fahrsicherheit gesund lange Lenkpause. Auf dieser interaktiven Karte sieht man, wo die Supercharge-Tankstellen derzeit zu finden sind.

Zum Dritten arbeitet Tesla an ihrem nächsten Coup, der das Tanken schneller machen wird als jedes bisher bekannte Verfahren für normales Tanken von Kraftstoff. Hierbei wird der Akku auf speziellen Tankstellen einfach durch einen bereits aufgeladenen innerhalb von 90 Sekunden getauscht. So schnell tankt niemand einen herkömmlichen Tank für Verbrennungsmotoren voll auf. Video dazu.

Zum Vierten und letzten wird das drängende „Ich muss bald wieder Tanken“ – Gefühl verschwinden, da man ja praktischerweise sein Auto daheim über Nacht aufladen kann. Und ja, das ist wesentlich günstiger als normaler Sprit .

Alleine das Argument mit den Supercharge-Tankstellen lässt die vermeintlich kleine Reichweite schon wieder ganz anders aussehen. Ende 2014 wird man allein mit Zwischenstopps von Supercharger zu Supercharger problemlos von Wien nach Berlin und weiter kommen, ohne auch nur einen Cent für Sprit bezahlt zu haben.

Grund 5: Wahr gewordenes Science-Fiction

Hightech im Fahrzeug: Tesla ist eigentlich kein herkömmliches Fahrzeug mehr. Großer, schwerer Motor, die meisten Flüssigkeiten, viele damit verbundene Teile, die kaputtgehen können, oder zumindest Wartungsintervallen unterliegen fallen einfach weg. Die Folge? Ein Kofferraum in einem Sportwagen, der es vom Volumen her mit einem Kombi aufnehmen kann. Ein Zweiter wo sich normalerweise ein Verbrennungsmotor befindet. Die Technik im Cockpit gleicht mehr modernsten Smartphones, denn einem Auto. Ein riesiges 17Zoll Touch-Display informiert einen über Stromverbrauch, aktuelle Route, Updates, die von Tesla über Nacht eingespielt worden sind, Temperatur, Geschwindigkeit, abgespielte Musik – bis hin zum Webbrowser. Das Panoramadach lässt sich wie in einem Raumschiff via Swipe auf dem Touchdisplay nach den eigenen Wünschen individuell öffnen. Ebenso der Sound punktgenau im Auto steuern. In den Videos sieht das mehr aus als würde man die Schilde eines Raumschiffs nach oben regeln. Viele der Funktionen lassen sich auch auf das Armaturendisplay, auf die wesentlichsten Informationen reduziert, darstellen. So wird man während der Fahrt nicht abgelenkt.

Grund 6: Elektrofahrzeug fahren macht ungemein Spaß! (Auch ohne Motorengeräusch)

Wer schon mal in einem E-Fahrzeug (egal welchem!) gesessen hat, wird wissen, was ich meine. Elektrofahrzeuge sind entgegen jedes Vorurteils leise, angenehme Hightech-Kraftmaschinen. Tesla setzt ohne Umwege Energie auf die Strasse. Die Beschleunigung, der Sound und das Gefühl dabei, gleicht mehr dem pilotieren eines Raumschiffs, denn einem herkömmlichen Auto. Ein Vermissen von Motorengeräuschen wird schlagartig durch das Gefühl ausgetauscht: „Das ist Science-Fiction!!! Geil!“

Und überdies tritt ein merkwürdiger Effekt ein: Man fährt gediegener. Ruhiger. Ich vermute das die Geräusche eines auf Benzin basierenden Fahrzeugs in vielen Menschen einen aggressiven, energischen Reiz auslösen. Das passiert einem mit einem E-Fahrzeug nicht. Man hört ja kaum etwas. Sehr angenehm – letztlich ein weiterer Sicherheitsaspekt.

Und sonst?

Es gibt noch weitere Argumente, die ich kurz hier zusammenfassen möchte:

  • Elektrofahrzeuge lassen sich durch den Energieträger der Zukunft speisen: Elektrizität. Alle Bemühungen Strom zu erzeugen deuten darauf hin. Fossile Brennstoffe aufwendig zu gewinnen, mehrfach umzuwandeln und dadurch den CO2 Ausstoß zu erhöhen wird nicht mehr lange gut gehen. Natürlich muss die Verantwortung Strom noch Nachhaltiger zu erzeugen weiter geschärft werden. Dennoch ist der Trend unumkehrbar.
  • Es gibt viele Vorurteile gegenüber Elektrofahrzeugen. Die meisten davon sind mittlerweile überholt, oder sind bei genauerem Hinsehen eher an den Haaren herbeigezogen. Wer darüber mehr wissen will, kann sich auf der Seite von Elektrodrive Salzburg informieren. Sogar recht witzig gemacht.
  • Tesla Motors setzt digitale Medien geschickt ein. Die Website ist moderner als so viele der herkömmlichen Hersteller. Es wird voll auf Storytelling gesetzt. Soziale Medien werden gut bedient. Es gibt Youtube-Videos von Präsentationen, die an Apples Zeiten mit Steve Jobs erinnern.
  • Die Argumente für ein Elektrofahrzeug werden sehr gut präsentiert. Besonders gut gemacht die Top5 Questions.
  • Viele Reparaturkosten fallen weg, da Elektrofahrzeuge weniger wartungsintensive Bauteile an Bord haben. Das spart Zeit, Kosten und Nerven.
  • Updates via WLAN. Tesla spielt automatisch Updates in das System und optimiert so das Betriebssystem und so weit möglich gibt es neue Features. Das ist in dieser Form einzigartig.
  • In vielen Ländern entfallen bestimmte Versicherungen, wie etwa die motorbezogene Versicherungssteuer.
  • Es gibt für Elektrofahrzeuge Zuschüsse. In Salzburg etwa kann man mehrere Tausend Euro sparen.
Herstellung Tesla Model S

Was ist mit Kritik?

Gibt es natürlich auch. So ist das Design nicht jedermanns Sache, wenn es mir persönlich auch sehr gefällt. Ich denke hier muss Tesla bei kommenden Modellen noch deutlich mehr zeigen, dass die Industriedesigner ihr Handwerk verstehen. Da wirkt der neue BMW i8 doch noch mal sportlicher. Das kommende Model X lässt selbst mich als Fan jedoch noch optimistischer in die Zukunft blicken.

Ein weiterer Punkt ist trotz der schönen Darstellung auf der Seite der offenere und ehrlichere Umgang mit der notwendigerweise erzeugten Energie. Klar ist das viel Strom aus fossilen Brennstoffen erzeugt wird der schlichtweg verpufft, weil nur sehr wenig Energie aus den Kraftwerken auch wirklich genutzt wird. Wenn wir diese Energie 1:1 in die Elektrofahrzeuge stecken könnten, wäre es zumindest nicht umsonst. Dennoch lassen sich dies die Stromlieferanten mit Sicherheit teuer bezahlen. Die Verantwortung liegt hier also meiner Meinung nach auch bei Tesla grüne, nachhaltige Energie zu forcieren. Es ist illusorisch Atomkraftwerke von heute auf Morgen herunter zu fahren, dennoch kann man viel dafür tun, das Neue erst gar nicht gebaut werden. Dasselbe mit Kohlekraftwerken und anderen Planetenverschmutzern.

Zudem sollte Tesla darauf achten das die Rohstoffe, die für die Herstellung von Akkus (Kupfer …) und anderer Komponenten ebenso naturverträglich gewonnen werden. Es nutzt am Ende wenig, wenn das Fahrzeug als CO2 neutral verkauft wird, dafür aber die Rohstoffe des Planeten in Raubbaumanier gewonnen wurden. Das würde letztlich das Problem der fossilen Brennstoffe nur verlagern und einer langfristig schädlichen Imageschaden des Unternehmens zur Folge haben. Apple kann trotz des Erfolgs davon ein Lied singen.

Last but not least hält sich das Gerücht hartnäckig, dass die Supercharge-Tankstellen nicht immer kostenlos bleiben werden. Das vereint sich weder mit der Werbeaussage „Lebenslanges Kostenloses auftanken für Model S Owner“ und auch nicht unbedingt mit dem Anschaffungspreis – auch wenn dieser im Premiumsegment angeordnet ist. Hier sollte meiner Meinung nach deutlicher kommuniziert werden was Tesla in Zukunft vor hat, bevor es ein böses Erwachen gibt.

Game Changer?

Auch wenn sich das derzeit viele nicht vorstellen können, so glaube ich das Tesla Motors es von einem kleinen Nischenprodukt zu einem echten Game-Changer bringen kann. Automarken der Zukunft müssen nicht unbedingt von Marken wie VW, Mercedes, Audi, oder BMW kommen. Diese schwerfälligen Schiffe haben oft das Problem sich in alteingesessenen Märkten zu bewegen, wo es seit gefühlten 100 Jahren nur um Kennwerte geht, die sich kaum verändern. Echte Innovationen hat es hier schon lange nicht mehr gegeben. Lediglich gleichförmige Evolution. Das hat auch eine Weile gereicht, doch in den nächsten paar Jahren wird sich hier viel ändern. Das verhält sich ähnlich wie mit selbst gemachtem Popcorn im Kochtopf. Am Anfang ploppen auch nur einige Wenige auf. Dann wieder ein paar. Und plötzlich wie aus dem Nichts ploppen viele Dutzend auf, bis die Geschwindigkeit weiter zu nimmt und der Kochtopf schneller voll ist, als man anfangs sich hat vorstellen können. Von dem bisschen Mais.

Wer weiß: Vielleicht verschwinden sogar einige der größeren Marken, weil sie nicht schnell genug den Umschwung schaffen. Warum gibt es zum Beispiel nicht auch Autos von Samsung oder Sony? Ich denke wir werden hier in der nahen Zukunft noch einige Überraschungen erleben. Tesla Motors macht hier sehr viel richtig und könnte sich zu einem echten Game-Changer entwickeln.

Fazit

Ich beobachte die Marke und deren Produkte nun ca. 4-5 Monate und bin ein absoluter Fan. Noch nie habe ich einen Konfigurator für ein Fahrzeug so häufig bedient. Wenn ich könnte, würde ich sofort zuschlagen. Der Vorteil das Ich es derzeit nicht kann wird sich in weiteren Superchargern und einer größeren Auswahl niederschlagen. Vielleicht sogar einem neuen Model S Design, auch wenn mir das Derzeitige wie gesagt sehr gut gefällt.

Nun bin ich gespannt auf Eure Kommentare und Meinungen zu diesem Artikel. Ich freue mich auch über jeden Like / Share.

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