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Ein paar Tage ohne Smartphone – Tag 1

Ein paar Tage ohne Smartphone - thx@picjumbo

Ein unfreiwilliges Experiment

Ob ich Smartphone süchtig bin? Diese Frage stellt sich mir überhaupt nicht. Ich könnte mich jetzt damit aus der Affaire winden, dass ich es auch beruflich für meine Agentur medienvirus brauche – tatsächlich nicht mehr als eine lahme Ausrede. Klar bin ich süchtig. Und jetzt bin ich seit langer Zeit mal für ca. 1 Woche ohne den lästigen Begleiter.

Ich glaube ich muss anfangen mir einzugestehen, dass ich mittlerweile selbst einfach genervt von der Technologie bin. So habe ich mir vor einigen Monaten eine unschöne Marotte angewöhnt. Wann immer ich das Smartphone zur Hand genommen habe, um z.B. mal eben kurz zu schauen, was auf Facebook so los ist, habe ich es anschließend eher unsanft zurück auf den Tisch rutschen lassen. Normalerweise legen es ja viele behutsam ab. Es mag vielleicht etwas komisch klingen, doch ich denke das dieses „Hinknallen“ für mich Ausdruck, dessen war, dass es eben doch nur ein Gebrauchsgegenstand ist. Doch darauf musste mich auch erst eine befreundete Designerin aufmerksam machen.

Es kam, was kommen musste. Irgendwann bedeutete mir dieser Gebrauchsgegenstand offensichtlich so wenig, dass er mir beim Aussteigen aus dem Auto heruntergefallen ist. Nicht mal aus großer Höhe, nicht mal auf Stein. Gereicht hat es dennoch. Vermutlich, weil ich es die ganze Zeit schon ungewöhnlich belastet hatte. Nun ja, man deponiert sein Smartphone ja auch nicht zwischen seinen Knien. Das Display ist sofort gesplittert und ich war ziemlich angefressen. Wirklich besser haben es da die liebevoll gemeinten Scherze auch nicht gemacht: „Oh, Du hast auch diese neue Spinnenapp installiert?“. Super. Was für ein Trost. Ich bin wenigstens nicht der Einzige.

Also: Schauen, was so eine blöde Displayreparatur kostet. Wenn man es selbst mit Föhn, Geduld und knappen 25€ versuchen will, gibt es diese Angebote günstig bei eBay. Ich habe weder die Zeit noch die Nerven und schon gar keinen Föhn. Glücklicherweise kann man es für weitere 25€ zu einem geschickten Reparaturservice senden. Also habe ich, nach kurzem Check der Bewertungen und der Seriosität des eBay-Händlers, zugeschlagen und den darauf folgenden Reparaturschein gefühlt 2 Monate liegen lassen. Auch hier verzögerte die Ausrede: „Ich erwarte ja noch wichtige Anrufe von Kunden“.

Ohne mein Smartphone - thx@unsplash

Ohne mein Smartphone – thx@unsplash

Smartphone auf dem Weg und aus dem Leben

Nach dem ich es gestern dann tatsächlich geschafft habe das Smartphone wegzuschicken, machen sich erste Anzeichen bemerkbar. Im Augenblick habe ich nicht das Gefühl, das mir etwas fehlt. Ganz im Gegenteil. Es ist ein angenehm befreiendes Gefühl. Der innere Drang, ja fast Stress, ständig zu dem Teil zu greifen ist wie weggeblasen. Wie eine alte Gewohnheit, die man nicht so schnell los wird, ist der Reflex noch da aber stört nicht. Man amüsiert sich eher ein wenig über sich selbst.

Mittags hatte ich einen geschäftlichen Termin mit einigen Partnern. Wir saßen gemütlich bei bestem Sommerwetter in einem Biergarten. Kein WLAN. Einige E-Mails wollten dennoch versandt werden. Normalerweise würde man fix für einen Hotspot sorgen. So musste ich mich eben durchschlauchen. Für mich jedoch wichtiger: So schlimm wie zu erst befürchtet war es dann gar nicht. Der Impuls in Gesprächspausen, oder in für mich irrelevante Unterhaltungen, mal eben schnell auf Facebook / Twitter und Co zu schauen war durchaus da. Dennoch war es am Ende nicht schlimm und ich habe erstaunlicherweise gemerkt, wie viel einem bei diesen angeblich unwichtigen Unterhaltungen entgeht. Ich glaube das man mit einer wohldosierten Smartphonepause wieder neu lernen kann zu zuhören und sich auch an den für einen selbst irrelevanten Diskussionen zu beteiligen. Das habe ich nämlich ziemlich vernachlässigt in den letzten Jahren. Vielleicht ist dies auch eines der süchtig machenden Faktoren dieser modernen Technologie: Sie vertreibt Langeweile und Ungeduld. Und beides scheint uns häufiger zu befallen, als wir uns eingestehen wollen.

Interessant ist auch, wie viel Raum dieses kleine Gerät doch in meinem Leben eingenommen hat. So wollte ich auch im Auto auf dem Heimweg für einen Bruchteil einer Sekunde die Musik lieber über mein Smartphone hören – aber, ach ja: Geht ja jetzt erst mal nicht. Gestern Abend und heute Morgen war es mindestens genauso ungewohnt, das der ritualisierte Griff zum Galaxy fehlte. Erinnert an einen Raucher. Morgens als aller erstes eine Zigarette anzünden. Eine Konsequenz daraus wird sein, dass ich mir wieder einen vernünftigen Wecker kaufen werde.

Last, but not least denke ich in unregelmäßigen Abständen darüber nach welche Anrufe ich gerade verpasst habe, wer mir über Whattsapp eine Nachricht geschrieben hat und was ich sonst noch so verpasst habe. Eigentlich total bescheuert, weil ich ja nach wie vor Zugriff auf alle Medien über 2 Rechner habe.

Fazit Tag 1

Für den ersten Tag überraschend positiv. Ich genieße die Ruhe, wenn ich auch hier und da mehr aus purer Gewohnheit und Reflex zum Smartphone greifen möchte. Sicherlich ist es auch leichter, wenn man ein Notebook zur Verfügung hat. Ich bin gespannt, ob es so weiter geht.

Comments 2

  1. Ich habe das selbe Erlebnis durch machen müssen. Das teure Smartphone ist immer mehr zu einem Gebrauchsgegenstand verkommen, eines Tages beim Aussteigen aus dem Auto…ZACK, Display gesprungen….und wie bei dir: „Ah, die neue Spider-App“ 😀

    Schön das auch andere das selbe Schicksal durchleben!

    1. Post
      Author

      Geteiltes Leid ist halbes Leid. Man muss sich aber grundsätzlich Fragen was diese Dinger eigentlich mit einem machen. Man fühlt sich wie ein Zombie. 😉

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